INDIEN:
Graphische Lage:
Indien gehört zu Asien. Die Nachbarstaaten von Indien sind Pakistan im Nordosten und Bangladesh im Nordwesten. Seit 1947 ist Indien ein unabhängiger Staat, vorher war er fast 100 Jahre eine britische Kronkolonie. Indien gehört noch zu den Entwicklungsländern.
Bevölkerung:
Ca. 750 Millionen Menschen leben in Indien. Jährlich wächst die Bevölkerung um 15. Millionen. Nach China, ist Indien das völkerreichste Land der Erde. Jeder zweite ist dort unter 18 Jahren. Der Anteil der Kinder wird immer größer, obwohl die indische Regierung seit mehreren Jahrzehnten versucht die Geburtenrate zu senken.
Die Inder sehen die Kinder als einen Segen an, sie betrachten sie als Arbeitskräfte um den Lebensunterhalt zu verbessern. Ca. 500 Millionen Menschen sind arm und 3 Millionen Menschen leben in Slums. Die Zahl der Armen auf dem Land ist höher als in den Städten.
Das größte Problem ist die Unterernährung. Zwei drittel aller Inder über 15 Jahre sind Analphabeten.
Trotz der großen Armut gibt es in Indien unermesslichen Reichtum und Luxus. Märchenhafte
Paläste, wunderschöne Tempel und prachtvolle Moschen.
Landwirtschaft:
Indien ist ein Agrarland. In 600.000 Dörfern leben mehr als ¾ der Gesamtbevölkerung. In der Landwirtschaft sind 60% aller Erwerbstätigen beschäftigt. Der Großgrundbesitzer verdient viel Geld, währen der Kleinbauer zu den Armen gehört. Viele Bauern sind tief verschuldet.
In den 60er Jahren verschlechterte sich die Nahrungsmittelversorgung Indiens, da die rasch wachsende Bevölkerung kaum noch zu ernähren war. Es wurden neue Getreidesorten, Wunderweizen, Reis angebaut. Allerdings konnte dieses Saatgut nur von den Reichen bearbeitet werden, da die Pflanzen jedes Jahr neue Saat brauchten und sachgemäß bewässert werden mussten. Dafür erhielten die Bauern dreimal so hohe Erträge, man nannte die, „Grüne Revolution“.
Da die Armen die Nahrungsmittel nicht kaufen konnten, herrschte weiterhin Hungersnot.
Kleinbauern konnten an dieser Entwicklung nicht teilnehmen, da ihre Felder für den Einsatz von Maschinen zu klein waren. Früher verpachteten die Grundbesitzer ihr Land. Sie erhielten dafür ein Teil der Ernteerträge, d.h. die Bauern waren Selbstversorger. Mit der Grünen Revolution änderte sich dies. Großgrundbesitzer bewirtschafteten ihr Land mit Maschinen nun selbst und verkauften die Erträge auf dem Markt. Sie kamen zu Reichtum und die Pächter wurden entlassen. Angebaut wurde in Indien: Reis, Weizen. Mais, Hirse, Zuckerrohr, Baumwolle, Erdnüsse und Tee.
Damit die Landbevölkerung nicht verhungert, gibt es Entwicklungshilfen in Indien „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Dorfgesellschaft wird ermutigt sich in Gesellschaften zusammenzuschließen, wird beraten und bekommt eine Ausbildung.
Anklagen gegen Industriestaaten:
Ihr zerstört Bangladesh- mit euren Autos ( Aus dem Interview mit dem indischen Umweltschützer Anil Agarwal, Rundschau 2.6.1992, S.6)
Das World Ressource Institute in Washington in einer Studie, auf die sich die US- Regierung gerne beruft, die Drittel Welt für fast die Hälfte der weltweiten Treibhausgas- Emissionen verantwortlich gemacht. Dabei stützte es sich vor allem auf die Methan- Gase, die beim Reisbau und in den Mägen von Rindern entstehen. Sie haben die Studie scharf kritisiert.(...)
Agarwal: Seit 100 Jahren pusten Länder wie Deutschland und Amerika massenweise Kohlendioxid in die Luft, das jetzt zur Erwärmung des Weltklimas, dem Treibhauseffekt führt: Wenn aufgrund dessen bald ein Drittel von Bangladesch vom Meer verschlungen wird, dann müsst ihr nun verdammt noch mal Euren Wohlstand mit uns teilen. Statt dessen aber
sagt ihr, Bangladesch soll weniger Reis anpflanzen, Indien darf nicht so viel Kühe halten, und wir fahren dafür ein bisschen weniger Auto. Das kann ich nicht akzeptieren.(...)
Wir meinen, der Norden lebt über seine Verhältnisse, er überschreitet die Grenzen der Tragfähigkeit dieser Erde. Amerika und Deutschland verschmutzen auch unsere Atmosphäre.
Wirtschaft und Industrie:
Indien steht an 10ter Stelle unter den Industriestaaten der Welt. In keinem anderen Land gibt es mehr ausgebildete Fachkräfte, obwohl ein Überangebot von billigen Arbeitskräften besteht.
Das industrielle Wachstum ist seit Ihren größer als in vielen anderen Industrieländer. Der Export beträgt 60%, dennoch herrscht Massenarbeitslosigkeit.
Seit dem 17. und 18. Jahrhundert behindern die Engländer die Industrialisierung Indiens.
Nach der Unabhängigkeit 1947 fördert die Regierung die Schwerindustrie, sie gründeten staatliche Großbetriebe. Heute gehören diese Werke der privaten Industrie. Trotz allen Fortschritts beschäftigen das Handwerk und Die Kleinindustrie mehr Menschen als die Industrie selbst.
Ein deutsches Entwicklungsprojekt „Rourkela“ begann 1956 mit dem Bau eines Stahlwerkes, an dem sich heute ein Industriepark anschließt und viele Kleinbetriebe und Zulieferer.
Ein indischer Arbeiter verdient 300 Rupien, ca. 80 DM = 40 Euro im Monat. Nur ein viertel der Erwerbstätigen geht einer regelmäßigen Arbeit nach, die übrigen sind Gelegenheitsverdiener und Bettler.
Religion:
Die religiöse Entwicklung im indischen Raum ist durch das Nebeneinander zahlreicher Sekten, Heiligen und Mystikern gekennzeichnet. Sie stellen das Leitprinzip von Liebe und
Demut. Die indische Bevölkerung besteht aus ca. 82% Hindus, 11% Mohammedaner, 2,5% Christen, 2% Sikhis, 1% Buddhisten, 0,5% Janina, etwa 200.000 Parsen und 12000 Juden.
Hinduismus:
Die tiefe Frömmigkeit der Hindus ist verwirrend, sie glauben an die Seelenwanderung, die Wiedergeburt des Menschen, verehren heilige Menschen und Kühe, aber verachten die
Unberührbaren. In der hinduistischen Religion gibt es eine strenge Kastenordnung. Mit der Geburt kommt der Inder in eine Kaste, der auch seine Verwandten angehören und in der man alle die gleiche berufliche Tätigkeit ausübt. Die höchste Rangordnung genießen die Brahmanen (Priester, Großgrundbesitzer), und die niedrigste die Harijans (Landarbeiter, Straßenreiniger, Schuhmacher, Gerber), die Unberührbaren.
Bei der Wiedergeburt kann man, wenn man sich nicht fügt, in eine niedrigere Kaste, oder auch als Tier wiedergeboren werden. Daher kommt die Verehrung der Tiere, besonders der Kuh. Nach der Unabhängigkeit wurde die Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz populär.
Indien Dörfern jedoch gelten weiterhin die alten Kastenregeln, sie gelten als Bot- und Schutzgemeinschaft gegen das Elend.
Zusammenleben der Religionen:
Die Völker leben relativ friedlich miteinander. In einem gewissen Grad kommt es zu eine Indisierung, d.h. es entstehen z.B. Klassengesellschaften oder Harems in der muslimischen Gesellschaft. Die indische und muslimischen Traditionen weichen nur unwesentlich voneinander ab. (Eßgewohnheiten). Sonst gibt es nach islamischer Lehre nur eine Glauben, Andersgläubige gelten prinzipiell als Staatsfeinde. Das ist der Grund, warum Moslems eine
besondere Kopfsteuer bezahlen, sich durch ihre Kleidung von Hindus unterscheiden müssen und soziale, religiöse und wirtschaftlich diskriminiert werden.
Atomwaffenprogramm Indiens:
Seit dem Anschlag auf das indische Parlament im Dezember 2001 hat sich die Situation in Südasien verschlechtert. Das indische Militär hat sich bereits auf einen Atomkrieg vorbereitet. Im Mai 2001 fand eine große Übung mit zehntausend Soldaten, Panzern, Kampfflugzeugen
und Hubschraubern statt. Ziel war die Ausbildung der Streitkräfte für den Fall eines chemisch- biologischen und atomaren Angriffs. Und:, dem Feind und für alle Mal eine
Lektion zu erteilen.
Das Atomprogramm symbolisiert politische Macht:
Der erste Premierminister Indiens Jawaharla Nehru richtete die nationale Atomenergiekommission (IAEC) 1948 ein, wobei die indische Atomenergie für friedliche Zwecke entwickelt werden sollte. Sollte Indien jedoch gezwungen werden, Atomenergie anders zu verwenden, so könnte auch dies eintreffen.
Für Indien symbolisiert das Programm internationale, politische Macht und technische Modernität. Durch die Unterstützung von Kanada, USA und anderen Ländern konnte Indien das Atomwaffenprogramm ausbauen und erweitern .Gemessen am Energieertrag war das Ergebnis wirtschaftlich nicht ergiebig. Es stellte für ein Entwicklungsland eine große Ressourcenverschwendung da. Dennoch rechtfertigen sich die Politiker mit dem Argument, dass das Atomwaffenprogramm in Indien Selbstständigkeit zeigt.
Die erste von Indien als „friedliche“ bezeichnete Atomexplosion fand am 18. Mai 1974 statt. Angeblich waren die Tests nur teilweise erfolgreich. Zum Vergleich: die Hiroshima- Bombe hatte 13 Kilotonnen Explosionskraft und die der Inder nur 12 Kilotonnen. Nun folgen neue und große Fortschritte der Atomwaffenentwicklung und Herstellung. Die Waffen sollen verkleinert und effizienter gestaltet werden. Indische Beamte und Politiker reden von „nuklearen Optionen“, die erst verwirklicht werden, wenn durch regionale oder internationale Umstände Notwendigkeit entstehen wird. Daher lehnte Indien den Nuklearen- Nichtverbreitungs –Vertrag (NPT) von 1986 ab, mit der Begründung, dieser Vertrag sei diskriminierend, er begrenzt die Möglichkeiten der atomwaffenfreien Staaten.
Atomtest auf Pokhran- Gelände, 11.Mai 1998:
M 11. Mai 1998 führte Indien drei unterirdische Atombomben in dem Pokhran- Gelände durch. Behauptung zufolge wurden hierbei 3 verschiedene Bomben getestet: eine Fissionsbombe mit einer Explosionskraft von ca. 12KT, 43KT thermonukleare Bombe und eine Bombe mit weniger einer KT. Zwei Tage später, nachdem zwei weitere Atomtest mit einer Sprengkraft von unter einer KT unternommen wurden, verkündete die Regierung, die Testreihe sei bereits abgeschlossen.
Man geht davon aus, dass Indien ca. 60 Atomwaffen besitzt. Allerdings könne die Zahl auf 200 ansteigen, wenn man die Flugzeugraketen, sowie die Materialien für weitere Bomben dazu rechnet.
Indien wird zum Hightech- Staat:
Der hohe Bedarf in an Spezialisten in der IT- Brache ermöglicht es Indien, sich schneller vom Entwicklungsland zum Hightech- Staat zu entwickeln.
Wie schon gesagt ist der Lebensstandard in Indien der niedrigste auf der Welt. Über 50% der Menschen können nicht lesen und schreiben. Durch die neuen Technologien, wie das Internet, steigt der Bedarf an Fachleuten rasant. Indien hat über 1 Milliarden Menschen und ist das am schnellsten sich entwickelte Land im Bereich IT- Technologie.
Firmen wie Microsoft, Sony, Deutsche Bank und Siemens sind einige von hundert Firmen. Die ihren wachsenden Programmierbedarf in Indien abdecken. Viele kleine indische Firmen haben sich darauf spezialisiert, flexibel und kostengünstiger zu arbeiten, wobei sie mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen. Ein IT- Job ist der Traumberuf vieler Inder geworden. Jeder zweite Student ist mittlerweile ein neuer Programmierer, da er das dreifache Gehalt eines Rechtsanwaltes oder Arztes verdienen kann.
Es wird noch einige Zeit dauern, bis Indien eine Industrie, bzw. IT- Nation ist, aber die Voraussetzungen sind hervorragend. X
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